Sie hat den sicheren Beamtenstatus aufgegeben, um das zu tun, was ihr wirklich liegt: Unternehmern helfen, ihr Geld besser zu behalten. Christina Szobotka ist Strategieberaterin für Steuerprozessoptimierung – und erklärt im Gespräch mit Holger Hagenlocher vom Podcast Founder Talks, warum Authentizität wichtiger ist als der perfekte Blazer.
Wenn Christina Szobotka gefragt wird, was sie beruflich macht, folgt zuerst ein kurzes Lächeln. »Strategieberaterin« – das klingt weit, und das ist es in gewisser Weise auch. Aber die selbständige Beraterin aus Radolfzeller am Bodensee hat sich auf ein sehr konkretes Feld spezialisiert: Sie hilft kleinen und mittleren Unternehmen sowie Selbständigen dabei, die Möglichkeiten des Steuersystems vollständig auszuschöpfen. Nicht als klassische Steuerberaterin, sondern als Ergänzung dazu. »Jeder kennt den Steuerberater, den wir auch alle sehr brauchen und lieben«, sagt sie. »Ich bin im Prinzip diejenige, die die ganzen Steuern optimiert.«

Was Steueroptimierung wirklich bedeutet
Es geht nicht um Steuerhinterziehung oder riskante Gestaltungsmodelle. Es geht darum, gesetzliche Spielräume konsequent zu nutzen: Wie lässt sich aus dem Brutto mehr Netto herausholen – für den Arbeitgeber und für die Mitarbeiter? Welche staatlichen Förderungen können beantragt werden? Welche Steuerklasse ist die richtige? Wie lässt sich der Arbeitsplatz attraktiver gestalten, damit Fachkräfte auch bleiben? Christina Szobotka denkt Steuer- und Personalstrategie zusammen – ein Ansatz, der vor allem für familiengeführte Betriebe, KMUs und Selbstständige relevant ist.
»Wie kriegen wir aus dem Brutto mehr Netto rausgeholt – für den Arbeitgeber, aber auch für den Arbeitnehmer?«
Christina Szobotka

Vom Lehramt zur Selbstständigkeit – eine unerwartete Kurve
Der Weg dorthin war alles andere als geradlinig. Christina Szobotka wächst in einem Familienunternehmen auf – vierte Generation, deutsche Küche, sehr konservativ. Sie könnte sich vorstellen, den Betrieb irgendwann zu übernehmen. Stattdessen studiert sie Pädagogik, landet im Lehramt und wird schließlich verbeamtet. In dem Moment, in dem die Sicherheit perfekt wäre, merkt sie: Das ist nicht ihr Leben.
»Als ich die Verbeamtung hatte, habe ich gemerkt, dass ich komplett von meinem Weg abgekommen bin«, erzählt sie. »Wenn man aus einer Unternehmerfamilie kommt, ist man sehr freiheitsliebend. Und auf einmal steckt man in einem Konstrukt mit Regeln, Lehrplänen, Verpflichtungen.« Sie macht sich noch während der Beamtenzeit selbstständig, bildet sich über die IHK im Finanz- und Versicherungswesen weiter und spezialisiert sich schließlich auf die Strategieberatung für Unternehmen. »Und dann ging das eigentlich so weiter.«
Provision oder Honorar – und warum das die falsche Frage ist
Wer in der Finanz- und Beratungsbranche arbeitet, kennt das Vorurteil: Berater arbeiten vor allem für ihre Provision, nicht für ihre Kunden. Christina Szobotka räumt damit offen auf. Ja, sie arbeitet auf Provisionsbasis. Und genau deshalb, sagt sie, hat sie ein echtes Interesse daran, dass ihre Beratung funktioniert. »Umso mehr ich für meine Klienten herausholen kann, umso besser sieht meine Provision aus. Das heißt, mein Klient muss nicht in Vorleistung gehen.«
Hinzu kommt ein struktureller Unterschied, der selten diskutiert wird: Provisionsberater haben eine Haftungszeit. Was bei einem Honorarberater mit Abschluss der Beratungsstunde endet, bleibt bei ihr langfristige Verantwortung. »Ich sitze jeden Tag vorm Laptop und schaue, ob alles noch funktioniert. Sollte man die Strategie wechseln? Die Segel neu setzen?« Wer seine Arbeit nicht richtig macht, fällt damit früher oder später auf die Füße – das ist ihr Qualitätssicherungssystem.
Netzwerken als Geschäftsmodell
Ihr gesamtes Geschäft läuft heute über Empfehlungen. Keine Webseite, kein klassisches Marketing – stattdessen echte Gespräche. Sie erzählt eine Geschichte, die ihre Arbeitsweise gut illustriert: Sie sitzt in einem Restaurant, macht dem Wirt ein aufrichtiges Kompliment über das Essen, kommt ins Gespräch, erwähnt ihren Hintergrund in der Gastronomie – und noch bevor ein erster Termin vereinbart ist, empfiehlt der Wirt sie an seinen Metzger weiter. »Das wäre nicht so, wenn ich nicht ich wäre.«
Für sie ist Netzwerken kein Vertriebsinstrument, sondern eine Haltung. »Jeder kennt irgendjemanden, der irgendjemanden kennt, wo vielleicht die Zielgruppe sitzt oder wo eine Kooperation entstehen kann.« Heute organisiert sie über ihr Netzwerk nicht nur neue Mandate, sondern vermittelt auch Dienstleister an ihre Klienten – Fotografen, Webentwickler, Fachleute aller Art.
»Authentizität. Das ist das Zauberwort – auch wenn man es kaum richtig aussprechen kann.«
Holger Hagenlocher im Gespräch mit Christina Szobotka
Die ehrliche Antwort auf eine unbequeme Frage
So souverän Christina Szobotka im Einzelgespräch wirkt – es gibt eine Situation, die sie jedes Mal fordert: Netzwerkveranstaltungen, alleine, als Neue in der Bodenseeregion. »Als fremde Außenstehende irgendwo reinzukommen, ist für mich wirklich überfordernder«, gibt sie offen zu. »Ich muss mich jedes Mal überwinden.« Das Erfolgsrezept hier ist dasselbe wie überall sonst: Sie tut es trotzdem. Wieder und wieder, ohne zu warten, bis es leichter wird.
Wer in diesem Beruf falsch ist
Christina Szobotka ist direkt, wenn es darum geht, wer in ihrer Branche fehl am Platz ist: Menschen, die schnell sehr viel Geld verdienen wollen. Und Menschen, die ego-getrieben arbeiten, ohne echtes Interesse an ihren Klienten. »Die sind komplett fehl am Platz – und das macht die Branche unattraktiv.« Wer hingegen neugierig ist, gerne mit Menschen arbeitet, Freude daran hat, in unterschiedliche Branchen hineinzuschauen, und bereit ist, sich kontinuierlich weiterzubilden – für den kann dieser Beruf außerordentlich erfüllend sein.
Fachliches Vorwissen? Hilfreich, aber nicht zwingend. »Wenn jemand wirklich Bock hat und sagt: Mir macht diese Arbeit Spaß, ich will da reinschnuppern, ich möchte Zeit investieren und wirklich lernen – dann kann es jeder lernen.« Aktuell sucht ihr Team sogar aktiv nach Verstärkung, bevorzugt mit Bankhintergrund, aber ausdrücklich auch offen für Quereinsteiger.
Flexibel, digital, deutschlandweit
Was ihr Arbeitsmodell zusätzlich attraktiv macht: Es ist vollständig digital aufgestellt. Kein Büro, keine festen Präsenztermine, Klienten betreut sie deutschlandweit remote. Mitarbeitende können von verschiedenen Standorten aus arbeiten. Diese Flexibilität – gerade für Menschen mit Familie – ist für sie selbst einer der größten Vorteile der Selbstständigkeit. Und sie sieht es als Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionell aufgestellten Beratungsbüros.
Wer mit Christina Szobotka in Kontakt treten möchte – als Klient oder als Bewerber – erreicht sie am einfachsten über LinkedIn. Die genauen Kontaktdaten finden sich in den Shownotes der Podcast-Episode.
Das vollständige Interview mit Christina Szobotka ist als Episode des Podcasts Founder Talks verfügbar unter founder-talks.de. Moderation: Holger Hagenlocher.