Eine Übersetzerin beschließt, selbst Geschichten zu erzählen. Ihr Debütroman handelt von einer Frau, die ihren Mann an einer Tankstelle in Spanien stehen lässt – und von der Frage, die jeden Neuanfang antreibt: Was wäre, wenn? Holger Hagenlocher hat Marina Trost für den Podcast Founder Talks getroffen.

Die Idee zu ihrem ersten Roman entstand buchstäblich an einem Scheideweg. Marina Trost saß im Auto, beobachtete im Rückspiegel ihren Mann, der nach einer wenig harmonischen Stunde auf das Fahrzeug zukam – und plötzlich war da eine Frage: Was wäre, wenn ich jetzt einfach aufs Gaspedal drücke und wegfahre? Aus diesem Gedankenblitz wurde ein Buch. Ihr Mann durfte übrigens wieder einsteigen.
Marina Trost ist keine Berufsanfängerin. Jahrelang arbeitete sie als freiberufliche Übersetzerin – ein Beruf, der Sprachgefühl, Disziplin und unternehmerisches Denken verlangt. Doch irgendwann wollte sie nicht mehr fremde Texte übertragen, sondern eigene schreiben. Mit ihrem Debütroman Matilda spielt es nicht noch mal hat sie diesen Schritt gewagt – als Selfpublisherin, Vermarkterin und Autorin in Personalunion.
Eine Figur, die weder Opfer noch Täter ist
Die Hauptfigur Matilda ist frisch pensioniert, steht mitten im Leben – und stellt fest, dass nicht alles in Ordnung ist. Sie fährt alleine nach Hause, stöbert in alten Erinnerungen und stößt dabei auf eine kurze romantische Begegnung von 1978 an der Grenze zu Ostberlin. Was folgt, ist keine Romanze im klassischen Sinne, sondern eine Geschichte über Selbstbestimmung, Neugier und die Fähigkeit, das eigene Leben neu zu sortieren.
»Ich mag keinen Kitsch und keine rosaroten Blümchen«, sagt Trost im Gespräch. »Aber ich mag Frauen wie Matilda. Sie ist ein bisschen bissig, beobachtet genau – und sie ist weder Opfer noch Täter.« Die Wunschleserin hat Marina Trost klar vor Augen: eine Frau, die nicht mit ihrem Alter hadert, sondern sich als stärker und vielleicht sogar schöner empfindet als früher. Und wenn das noch nicht ganz der Fall ist, soll das Buch ein wenig dazu beitragen.
»Es kommt immer darauf an, in welcher Währung man rechnet.«
Marina Trost über den Erfolg als Autorin
Der lange Weg vom ersten Satz zum fertigen Buch
Dass Marina Trost Sprache beherrscht, stand außer Frage. Dass das Handwerk des Romanschreibens eine eigene Disziplin ist, lernte sie schnell. Sie belegte einen Kurs Kreatives Schreiben – »nicht schlecht, aber für mich ungeeignet, zu impulsiv abgeschlossen« –, arbeitete sich durch Coaching-Programme und stapelweise Schreibratgeber. Den entscheidenden Durchbruch brachte eine Präsenzveranstaltung, bei der sie gemeinsam mit anderen den Handlungsstrang entwickelte. »Dieser Austausch war sehr, sehr wertvoll.«
Seither schreibt sie eng zusammen mit einer sogenannten Schreibbuddy – einer Partnerin, die generationsmäßig und thematisch kaum verschiedener sein könnte: Anfang vierzig, schreibt Fantasy und Dystopie für Jugendliche. Und trotzdem funktioniert die Zusammenarbeit. »Wir haben genau die gleiche Arbeitshaltung. Wir wollen schreiben und veröffentlichen. Wir sind diszipliniert.« Aufschieberitis kennen beide nicht – eher das umgekehrte Problem: Die Ideen kommen schneller, als man sie umsetzen kann.

Selfpublishing: Was steckt dahinter?
Wer ein Buch veröffentlichen möchte, muss heute keinen klassischen Verlag mehr überzeugen. Marina Trost hat den Weg des Selfpublishings gewählt – und erklärt, wie er funktioniert: Man schließt mit einem auf Abfrage druckenden Verlag einen Vertrag zu einer überschaubaren Pauschale, lädt die fertigen Druckdaten hoch, erhält eine ISBN-Nummer und das Buch wird an Amazon, den Buchhandel und Buchportale gemeldet. Auf Wunsch kann ein Probeexemplar bestellt und geprüft werden. »Der Ablauf ist recht simpel«, sagt Trost. Der Aufwand dahinter ist es nicht.
Denn mit der Veröffentlichung beginnt die eigentliche Arbeit: die Vermarktung. Hier unterscheidet sich das Leben als Autorin fundamental von dem als Übersetzerin. Als Übersetzerin bekam sie Aufträge und arbeitete sie ab. Als Autorin muss sie das Buch selbst zu den Leserinnen bringen.
Social Media: Von der »Vorhölle« zur täglichen Pflicht
Was unterschätzt sie am meisten an ihrer neuen unternehmerischen Tätigkeit? Ohne Zögern: den Aufwand für Social Media. »Instagram war für mich eigentlich immer die Vorhölle«, gibt sie offen zu. Inzwischen unterscheidet sie souverän zwischen Story, Reel und Beitrag – und ist, wie sie mit einem Schmunzeln anmerkt, in diesen Dingen mittlerweile besser informiert als ihre eigenen Kinder.
TikTok kommt für sie nicht infrage – die Zielgruppe ihrer Bücher ist dort schlicht nicht zu Hause. Stattdessen setzt sie auf Instagram und dessen Bücher-Community, die sie als verhältnismäßig freundlich erlebt. Daneben schätzt sie persönliche Lesungen: Menschen, die sich eine Stunde Zeit nehmen, ihr zuzuhören, empfindet sie als besonders belohnend – auch wenn sich das in Verkaufszahlen nicht immer direkt niederschlägt.
Zwischen Panik und Hochgefühl
Ein Buch zu veröffentlichen bedeutet, sich zu zeigen. Und das ist, bei aller Freude, auch eine Quelle von Angst. »Diese Stimmung zwischen Panik und Hochgefühl wechselt ständig«, sagt Trost. Die Vorstellung, jemand könnte ihr raten, lieber eine Boutique zu eröffnen oder stattdessen zu stricken, lässt sie nicht kalt. Man stecke so viel Herzblut in ein Projekt, dass Kritik treffen kann.
Und doch: Der Erfolg bemisst sich für sie nicht allein in Verkaufszahlen. »Dass ich so weit gekommen bin – das ist für mich persönlich schon mal ein großer Erfolg.« Was sie sich darüber hinaus wünscht, sind Rückmeldungen von Leserinnen. Keine Noten, keine Lehrerin mit dem roten Stift – sie will unterhalten, abholen, Frauen dort erreichen, wo sie gerade sind.
»Aufregend. Befreiend. Sehr emotional.«
Marina Trost über das Gefühl, ihren ersten Roman zu veröffentlichen
Das Buch
Matilda spielt es nicht noch mal von Marina Trost ist als eBook auf Amazon vorbestellbar, das Paperback ist ab dem 5. Mai 2026 im Buchhandel erhältlich – bestellbar über den Buchhändler vor Ort sowie über den Online-Handel. Einfach den Namen der Autorin oder den Titel eingeben.
Das vollständige Interview mit Marina Trost ist als Episode des Podcasts Founder Talks verfügbar unter founder-talks.de. Moderation: Holger Hagenlocher.